Jahresthema 2015/16

Boden


Der Boden unter unseren Füßen

Der Boden auf dem wir stehen ist keine Selbstverständlichkeit: Verschmutzt durch unangepasste Düngung, Industrie- und städtische Abfälle, zerstört durch Versiegelung beim Städte- und Straßenbau und die schützende Vegetationsdecke vernichtet durch Abholzung, Brandrodung und Überweidung… vitaler Boden ist  heute extrem gefährdet.

Warum ist Boden wichtig?

Boden ist…

… die Grundlage für unsere Nahrung und für unser Leben, denn Millionen von Mikroorganismen bauen im Boden totes Material ab und recyceln Nährstoffe.
…sehr alt, denn die Entstehung von 10 cm fruchtbarer Humusdecke dauert bis zu 2000 Jahre.
… wichtiger CO2– und Wasserspeicher und somit essentiell für den Klimaschutz.
…unser Zuhause, denn unsere Häuser errichten wir auf Grund und Boden.

Was kannst du tun?

…um den ökologischen Landbau zu fördern, der Bodenorganismen stärkt und die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessert.

…da der Anbau von Futtermitteln für die Nutzhaltung von Tieren mit dem Anbau von Nahrungsmitteln konkurriert!

…da unser persönlicher „virtueller Landverbrauch“ durch den Import von Bedarfsgütern um ein Vielfaches steigt!

Aktuell wirft jeder Deutsche jährlich 82 kg Lebensmittel in den Müll, für deren Herstellung Flächen und Ressourcen benötigt wurden.

…auf Naturflächen, um keinen weiteren Boden zu versiegeln!

Z. B. in den Gemeinschaftsgärten beim Gartennetzwerk Dresden, Gärten Leipzig, Urbane Gärten Chemnitz. Außerdem kannst Du Dich beim Grünlandprojekt um die Vielfalt der Chemnitzer Stadtwiesen bemühen.

Das Problem

Die globale Wirtschaft wächst unaufhörlich und mit ihr der massive Abbau von wertvollen Ressourcen aus unseren Böden, so wie z.B. Tantal und Kobalt, verbaut in Smartphones. Bis zu 20 kg Elektroschrott produziert jeder EU-Bürger jährlich, wovon ein großer Teil illegal exportiert und häufig nicht sachgerecht in Ländern des globalen Südens recycelt wird. Dadurch gehen brauchbare Rohstoffe verloren und Mensch, Umwelt und Böden werden vergiftet. Leidtragende sind die sogenannten Rohstoffländer des globalen Südens – konfrontiert mit schweren Menschenrechtsverletzungen, Umweltschäden, Destabilisierung der lokalen Wirtschaft bis hin zu Kriegen um Böden und Flucht vor Dürre oder Vertreibung.

Der globale „virtuelle Landverbrauch“, also die Fläche, die jeder Einzelne zum Anbau der von ihm konsumierten Güter benötigt, ist ungerecht verteilt. Bei 1,4 Mrd. ha Ackerfläche für 7,5 Mrd. Menschen stehen jedem Menschen knapp 0,2 ha jährlich zur Verfügung. Allein jeder EU-Bürger benötigt aber bereits ca. 1,3 ha. So hat Europa nicht genug Boden für den eigenen Konsum, Deutschland bspw. belegt über 5,5 Millionen Hektar Land vor allem in Ländern des globalen Südens. Dabei benötigen vor allem Sojaimporte für die Fleischproduktion und der Anbau von Raps- und Palmöl (u.a. für Biotreibstoffe) die größten Flächen.

Landgrabbing steht für die oftmals illegitime Aneignung von Land zum Anbau von Futter-, Nahrungsmitteln und Biosprit in Entwicklungs- und Schwellenländern durch internationale Großinvestoren. Die Rechte der Landbevölkerung werden dabei häufig missachtet. Gesicherte Landnutzungsrechte befähigen z.B. Kleinbauern ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und tragen zur Ernährungssicherheit sowie zur Festigung bestehender sozialer Wertsysteme bei. In vielen Teilen der Erde sind Eigentums- und Nutzungsrechte der lokalen Bevölkerung jedoch nicht garantiert. Ein Beispiel ist Brasilien, wo  u.a. indigene Landrechte für den Bau von Militäreinrichtungen, Staudämmen oder Bergwerken massiv eingeschränkt werden.

Gründlicher informieren kannst du dich bei folgenden Kampagnen:

Umsetzung der Spots

SOILitäter

Schnelle, geübte Handgriffe. Jacken werden sich übergeworfen. Blaulicht. Quietschende Reifen. Soilitäter im Einsatz. Eile ist geboten! Allerdings: Der Patient, der sich da in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet, ist alles andere als gewöhnlich.

Heiße Ware

Eine alte Fabrikruine in Leipzig. Finstere Gestalten, die Kapuzen ihrer Hoodies tief ins Gesicht gezogen, dealen mit heißer Ware. Eine schick gekleidete Frau betritt die Szenerie. Was sucht sie in dieser zwielichtigen Gegend?

Die Beerdigung

Es wird geschluchzt, geweint und getrauert. Die Pfarrerin spricht tröstende Worte zur Trauergemeinde. Und dennoch ist nicht alles so wie es scheint.

Seit 2015 ist unser Kampagnenzeitraum auf 1,5 Jahre ausgeweitet. Bei unseren Veranstaltungen und Aktionen konnten wir ca. 800 Menschen persönlich sensibilisieren, sich mit der Boden-Thematik auseinanderzusetzen – für viele das erste Mal. Über die Medienberichte wurden darüber hinaus noch sehr viele mehr angesprochen, so dass uns letztendlich 95 Film-Ideen sächsischer Bürger*innen erreichten. Hieraus wurden von einer Jury (u.a. mit unserem Regisseur, dem ENS und einer Vertreterin der Filmnächte am Elbufer) die drei Siegerideen gekürt, die im Mai 2016 verfilmt wurden.

Die Ideen wurden durch den Potsdamer Regisseur Thomas Frick und ravir film GbR sowie mit der Hilfe vieler freiwilliger Engagierter professionell verfilmt.  Mit all den fleißigen HelferInnen haben wir in kürzester Zeit unheimlich viele Ressourcen bewegt und Requisiten, Drehmaterial und Drehorte aufgetan, transportiert, gestaltet und eingesetzt. Beispielhaft war die „Karriere“ unseres Praktikanten: War er beim ersten Filmdreh noch Crew-Mitglied, das Elektroschrott im Erdhaufen auf dem Friedhof eingrub, hat er im zweiten Spot bereits eine Statisten-Rolle als Dealer ergattert, auf die er sich durch Packen authentischer Drogenpakete intensiv vorbereiten durfte. Beim dritten Film-Dreh-Workshop war er dann schon einer der Hauptdarsteller, also ein SOILitäter mit eigener Sprechrolle.

Es wurde geschluchzt, geweint und getrauert. Und dennoch war nicht alles so wie es schien. Am 10.05.2016 wurde auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden Löbtau Abschied genommen. Auf ungewöhnliche Art und Weise: Die Schauspielerin Annedore Bauer, in der Kleidung einer Pastorin, spricht zu einer in schwarz gekleideten Trauergemeinde. Statt Erde und Blumen, landen ein Benzinkanister, Autoreifen und ein Ölfass im Grab. Auf dem Spruchband eines Kranzes ist zu lesen: „Hier ruht unser Boden. Du hast uns getragen.“ Thematisiert wird in diesem Spot der Verlust fruchtbarer Böden durch unseren sorglosen Umgang mit ihm, u.a. indem wir ihm unseren Müll einschließlich giftiger und nicht abbaubarer Stoffe zuführen.
Mit dem Song „Desaster“ der Band Banda Comunale haben wir eine sehr passende Begleitung unserer Spot-Intention gefunden. Banda Comunale haben 2015 den Sächsischen Förderpreis für Demokratie und 2016 den Sächsischen Preis für Soziokulturelles Engagement gewonnen und wurden mit ihrem Projekt Banda Internationale für den „Preis der Staatsministerin für Kultur und Medien für Projekte zur kulturellen Teilhabe von geflüchteten Menschen“ nominiert. Premiere feierte der Spot am 04.07.2016 bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden.

Filmpremiere in Dresden

Eine alte Fabrikruine in Leipzig. Dunkle Gestalten, die Kapuzen ihrer Hoodies weit ins Gesicht gezogen, dealen mit heißer Ware. Eine schick gekleidete Frau betritt die Szenerie. Was sucht sie in dieser zwielichtigen Gegend? Eine Antwort auf diese Frage findet Ihr im Spot. Um den heiklen Deal auf die große Kinoleinwand zu bringen, schlüpften die Schauspieler Jonas Fürstenau, Annett Sawallisch (Schauspiel Leipzig) und Magnus Kappler in die Rollen des finsteren Dealers, der mutigen Gärtnerin und des besorgten Familienvaters.
Musikalische Unterstützung haben wir uns bei dem Leipziger DJ  map.ache mit seinem Song „rust (NYT 2015)“ geholt. Die Premiere des Spots fand am 13.08.2016 in Leipzig erstmals auf einer riesigen Bühne vor ca. 2.500 Menschen im Rahmen der Classic Open statt.

Filmpremiere in Leipzig:

Schnelle, geübte Handgriffe. Die Schauspieler Rania el-Chanati und Michael Paul Milow, Lennart Happe und Anton Hoffmann werfen sich schnell die Rettungssanitäterjacken über. Blaulicht. Quietschende Reifen. Sanitäter im Einsatz. Eile ist geboten, denn der Patient befindet sich in einer kritischen Verfassung. Allerdings: Der Patient ist alles andere als gewöhnlich… Wer sich da in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet, erfahrt Ihr im Spot.
Für die Musik haben wir uns gleich von zwei Künstlern unterstützen lassen: Dysfunction_AL mit dem Song „Funk Interlude“ und Karstenholymoly mit dem Lied „The Thunderstorm“. Denn für die Dramaturgie dieses besonderen Spots war eine wirksame musikalische Untermalung sehr, sehr wichtig. Erstmalig auf großer Kinoleinwand zu sehen war der Spot am 13.08.2016 bei den Filmnächten Chemnitz.

Filmpremiere in Chemnitz:

Wir danken allen fleißigen, engagierten Ehrenamtlichen, Netwerkpartner*innen und Unterstützer*innen!


In den Projektstädten danken wir dazu im Einzelnen:


Dresden: Ideengeber: Georg Schubert, SchauspielerInnen: Annedore Bauer (Staatsschauspiel Dresden), Rosalie Neumeister (Agentur Fischers Fritzis-Kids), Roman Fielitz (Theatergruppe Spielbrett) und allen anderen DarstellerInnen u.a. von den Theatergruppen H.O. Theater und die bühne e.V. (TU Dresden), UnterstützerInnen: Verband der Annenfriedhöfe Dresden, Ev.- Luth. Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung Dresden, Elite Friseur- und Kosmetik GmbH Dresden, A&B Floristik Alexandra Baitis und Brit Hickmann GbR, Die Blumenbinderei, Schrotthandel Hans Müller.


Leipzig: Ideengeber: Konrad Neuffer, SchauspielerInnen: Jonas Fürstenau und Annett Sawallisch (Schauspiel Leipzig), Magnus Kappler, UnterstützerInnen: Ökolöwe Umweltbund Leipzig e. V., globaLE globalisierungskritisches Filmfestival Leipzig, soziokulturelles Zentrum die naTo und Landesfilmdienst Sachsen in Leipzig, Maria Hartmann, Plagwitzer Immobiliengesellschaft mbH, Zoundhouse Dresden.


Chemnitz: Ideengeber: Andreas Eisold, SchauspielerInnen: Rania El-Chanati, Michael-Paul Milow, Lennart Happe, Anton Hoffmann, UnterstützerInnen: IZ WELT-Laden e.V., Umweltzentrum Chemnitz, Medi-time GmbH, Gewerbepark A4, Kohrmann Baumaschinen GmbH, eins energie in sachsen GmbH & Co. KG, DRK Dresden.

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