Jahresthema 2014/15

Faire
Elektronik


Sie sind unsere treuen Begleiter: Handys, Computer, Fernseher, aber auch Kühlschränke, Wasch-, Geschirr- und Kaffeemaschinen sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Eine Welt ohne elektronische Geräte (IT) können wir uns kaum mehr vorstellen, da sie unser Leben in vielen Dingen bereichern und erleichtern. Smartphones oder Tablets sind in den letzten Jahren gar zum Statussymbol avanciert und repräsentieren nicht zuletzt ein Lebensgefühl. IT ist damit zu einem schnelllebigen Massenprodukt geworden. Diese Entwicklung wird durch Industrie, Händler und Mobilfunkanbieter befeuert, die neue Handys aller ein bis zwei Jahre scheinbar kostengünstig anbieten. Damit wachsen jedoch auch die Probleme: Der Rohstoffbedarf an sogenannten seltenen Erden steigt, ihre Wiedergewinnung ist jedoch kompliziert, weswegen die natürlichen Ressourcen bald ausgebeutet sein werden. In Abbauregionen wie der Demokratischen Republik Kongo (DRC) gibt es nicht selten genug politische Konflikte, der Arbeitsdruck in den Fertigungsstätten ist hoch und die Arbeit unter widrigsten Bedingungen wird nur schlecht bezahlt. Das Resultat sind aber nicht nur soziale Probleme, sondern auch Berge an Elektroschrott und Umweltprobleme.

Im Gegensatz zur „Green IT“ soll „Faire IT“ übrigens nicht nur CO2-neutral sein und Strom sparen, sondern zielt insbesondere auf eine Verbesserung der Produktionsbedingungen ab.

Hier findest du Kampagnen, die sich bereits eingehend mit diesem Thema befasst haben:

Was kannst du tun?

Egal ob im Geschäft oder per Mail bei den Herstellern. Frage nach der Produktion und den Nebenwirkungen deiner elektronischen Geräte!

Nutze deine Geräte so lange es geht! Sollte doch einmal eins kaputt gehen, kannst du es in einem Repair-Cafés wieder auf Vordermann bringen.

Natürlich kann jeder verstehen, dass man sich ab und an ein neues Gerät zulegen möchte. Sofern das alte noch funktioniert, verkaufe doch einfach das alte, z. B. hier:

Wenn das Handy tatsächlich nicht mehr funktioniert, ist wichtig, es richtig zu recyceln. Wirf es nicht in den Müll, sondern gib es zur fachgerechten Entsorgung ab. Hier sind einige Stellen aufgelistet, die Handys sammeln und zum Recyceln bringen.

Dresden:

Chemnitz:

Leipzig:

Ihr könnt euer altes Handy auch bei uns abgeben!

Schöne Ideen für Bastelfreunde finden sich z. B. in diesem Artikel.

2014 hat Fairphone sein erstes Exemplar auf den Markt gebracht. Nager IT stellt den Versuch dar, faire Beschaffung und soziale Produktionsbedingungen in den Bereich der Computerelektronik zu bringen. Seit 2012 wird so nicht nur eine „grüne“, also nachhaltige, sondern auch eine faire Computermaus zum Verkauf angeboten.

Das Problem

Handys, Tablets und Computer bestehen aus unzähligen Bestandteilen. Damit sie funktionieren, benötigt man bis zu 60 verschiedene Metalle, unter anderem die sogenannten seltenen Erden. Seltene Erden sind Rohstoffe, die – entgegen ihres Namens – einmal weniger und einmal häufiger in der Erdkruste vorkommen. Dennoch sind diese Rohstoffe begrenzt und können oft nur mittels aufwendiger chemischer Verfahren gewonnen werden. Zugleich beinhalten IT-Produkte auch andere Metalle, wie etwa Gold, Silber, Kupfer, Tantal, Coltan, Kobalt, Nickel oder Zinn, deren Abbau ebenso aufwendig ist. Doch damit fangen die Probleme erst an: Viele Elektronikfirmen lagern die Produktion und den Zusammenbau unserer elektronischen Geräte in Länder aus, in denen es keine Umweltauflagen, kaum Gewerkschaften und nur niedrige Löhne gibt. Daneben stellen die begrenzte Haltbarkeit (Stichwort „Geplante Obsoleszenz“) und der Drang nach immer neuen elektronischen Geräten ein großes Recyclingproblem dar.

Videotipp: „Behind the Screen – Das Leben meines Computers“, 2011, aus Österreich (60 min)

„Wir leben gut davon, dass Millionen Menschen im Dreck wühlen“ (Zitat aus Dokumentarfilm „Sklavenarbeit für unseren Fortschritt“ von Tilman Achtnicht aus dem Jahr 2012)

Die Folgen der Produktion elektronischer Geräte beginnen bereits in den Abbaugebieten ihrer metallischen Bestandteile. Zum Teil ist bereits die politische Situation in diesen Ländern prekär, so wie beispielsweise in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Dort lagern die weltweit größten Coltan-Vorkommen. Aus dem Erz Coltan wird Tantal gewonnen, ein wichtiger Bestandteil von IT-Produkten, der für den Bau von Kondensatoren benötigt wird. Im Kongo herrscht seit Jahren ein Bürgerkrieg, der bereits über fünf Millionen Menschen das Leben kostete. Militär- und Rebellengruppen haben die Kontrolle über die Coltan-Minen übernommen. Sie lassen einfache Leute aus den umliegenden Dörfern die schwere Arbeit der Erzgewinnung erledigen, erheben dafür aber willkürlich Steuern und verkaufen das Erz teuer weiter. Die Gewinne wirtschaften sie in ihre eigenen Taschen und kaufen davon z. B. neue Waffen. Nicht selten heißt es deswegen, dass unsere Handys den Krieg im Kongo mitfinanzieren. Generell sind die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter*innen zumeist schlecht, sei es in Bolivien, wo Wolfram und Zink gewonnen werden, oder im Kongo, wo auch Gold gefördert wird, das zum Großteil illegal das Land verlässt. Die Minen werden nur behelfsmäßig gesichert und können jeden Moment einstürzen. Die Arbeiter*innen atmen giftige Dämpfe ein und leisten – zum Beispiel beim Anschlagen und Tragen von Gesteinsbrocken – körperliche Schwerstarbeit. Auch Kinderarbeit ist hier keine Seltenheit, wenngleich das in den Ländern selbst nicht immer umstritten ist. Die Entlohnung für all die Mühen ist dabei nur gering und kann stark schwanken: Der Lohn einer Bergarbeiter*in in der Mine Bolsa Negra (Bolivien), in der Wolfram gefördert wird, liegt z. B. zwischen 0 bis 10 € pro Tag. Nicht besser ist es in den Fabriken, in denen die Geräte zusammengesetzt werden. Auch hier werden ständig Giftstoffe freigesetzt, wie es auch die steigende Anzahl an Krebspatient*innen im Silicon Valley beweist. In Billiglohnländern, wie z. B. in China, kommt außerdem hinzu, dass die Arbeiter*innen lange Arbeitstage von 10 bis 12 Stunden mit nur kurzen Pausen bewältigen müssen, die sie stehend am Fließband verbringen, und für die sie nur Hungerlöhne erhalten. In Shenzhen liegt der Lebensunterhalt etwa bei 725 € pro Monat. Die Arbeiter*innen in den Fabriken bekommen aber lediglich den Mindestlohn von 193 €. Sie müssen also zusätzliche Überstunden leisten, um sich und ihre Familien ernähren zu können. In anderen Fabriken wird gerade einmal ein Lohn von 35 Cent pro Stunde bezahlt. Auch die Bedingungen in den Unterkünften sind schlecht, die Gebäude überfüllt, denn 8 bis 10 Personen leben hier auf engstem Raum. Gewerkschaften gibt es nicht, geschweige denn die Möglichkeit, eine zu gründen. Oft genug wurden Arbeiter*innen, die diesen Wunsch äußerten, bedroht oder entlassen.

Zu empfehlende Beiträge:

Alte elektronische Geräte dürfen in Deutschland nicht im Hausmüll entsorgt, sondern müssen recycelt werden. Abgesehen von der Menge an Altgeräten, die illegalerweise im Müll landen, liegen in deutschen Haushalten schätzungsweise immer noch 85 Mio. Handys ungenutzt herum. Dabei können aus Handys und anderen Geräten, wenn sie fachgerecht recycelt werden, ihre wertvollen Inhaltsstoffe wie Gold, Silber, Kupfer und Blei wiedergewonnen werden. Dafür setzen sich mittlerweile auch die großen Marktführer, wie Apple, Samsung und Nokia, ein.

Wie läuft so ein Recyclingprozess ab? 

Zunächst werden die Handys von ihren Akkus getrennt und dann in einem Schredder zerkleinert. In einem weiteren Schritt werden Plastikteile, Aluminium und ‚gemischte‘ Teile aussortiert. Unter letztere zählen zum Beispiel Chips, Fest-, Grafikkarten und andere Bestandteile, die aus verschiedenen Metallen bestehen und unsere Geräte erst zum Laufen bringen. In einem aufwendigen Verfahren werden dann über Heizöfen und Säurebäder die edlen Metalle wiedergewonnen.  Aber nicht alle Teile elektronischer Geräte können recycelt werden. So stellen insbesondere Akkus ein enormes Problem für die Umwelt dar. Auch seltene Erden wie Coltan können nicht wiedergewonnen werden. Diese kostbaren Ressourcen gehen uns zunehmend verloren.

Doch auch wenn Mobiltelefone, alte Computer und andere elektronische Geräte recycelt werden, gelangt ein Großteil davon immer noch in ‚Entwicklungsländer‘ wie z. B. nach Ghana oder Indien. Oft als noch ‚brauchbar‘ deklariert, landen dort Tonnen von größtenteils illegalem Elektroschrott – auch aus Deutschland. Es wird geschätzt, dass 50 bis 80 % des Elektroschrottes aus Industrieländern über den Seeweg exportiert werden. Die Menschen vor Ort nutzen das ‚Recycling’ als Geldquelle. Zum einen sortieren sie noch brauchbare Geräte aus und verkaufen sie weiter. Zum anderen sind es oft Jugendliche und Kinder, die versuchen, die wertvollen Metalle zurückzugewinnen – eine gesundheitsschädigende und fast schon lebensgefährliche Ausgabe, versuchen sie doch z. B. das Kupfer aus den Kabeln zu lösen, indem sie den Elektroschrott in Brand setzen! Dass das auch schädlich für die Umwelt ist, versteht sich von selbst.

Zu empfehlende Beiträge:

Umsetzung der Spots

Pure Magie

Das ist pure Magie! Ein Blick in die Zauberkugel deckt auf, dass die Herstellung unserer Handys oft überhaupt nicht magisch ist, sondern dass dahinter etwas ganz anderes steckt.

Shopping Queens

Die Welt geht unter, wenn das Handy kaputt geht. Das meinen zumindest die beiden Shopping Queens. Der Spot zeigt, was wirklich Schaden anrichtet, nämlich gedankenloses Wegwerfen statt fachgerechtes Recycling.

Handys töten

Verwirrende Warnhinweise auf Handys – Dein Handy tötet! Was sich dahinter verbirgt und welche – mehr oder weniger – sinnvollen Lösungsstrategien es geben könnte, zeigt dieser Spot.

2014 befassten wir uns mit den Schattenseiten unserer Elektronik und rückten „Faire Elektronik“ in den Fokus des Sukuma Awards. Bei vielen Flyer- und Standaktionen (unter anderem bei der Ökofete in Leipzig, dem Alleefest in Chemnitz und der BRN in Dresden sowie mit dem sehr erfolgreichen „Coffee-to-Stay“ beim Umsonst-und-Draußen-Festival in Dresden) kamen wir mit den Menschen ins Gespräch. Auch Infoveranstaltungen in den drei Städten, bei denen wir neben Vorträgen der Experten Julia Otten (Germanwatch), Franziska Killiches (BGR) und Philipp Büttner (Bergakademie Freiberg) die Doku „Gnadenlos billig“ zeigten, warfen ein Schlaglicht auf Probleme und Perspektiven bei der Produktion bzw. Entsorgung unserer elektronischen Geräte. Bei diesen Veranstaltungen und Aktionen konnten wir geschätzt 850 Menschen sehr persönlich sensibilisieren, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Über Medien wurden darüber hinaus noch sehr viele mehr erreicht, so dass uns letztendlich ca. 100 Filmideen sächsischer Bürger*innen erreichten.

Die Ideen wurden im August mit unserem bewährten Team um Regisseur Thomas Frick und ravir film GbR sowie mit der Hilfe vieler freiwilliger Engagierter professionell verfilmt. Als prominente Unterstützer stellten uns keine Geringeren als die Bands Revolverheld und Die Toten Hosen ihre Songs zur Verfügung. Im Jahr 2015 liefen die Filme bereits in 10 sächsischen Kinos sowie bei der Utopianale in Hannover und beim Kunstfestival OSTRALE in Dresden.

Mit dem professionellen Schauspieler Dominik Schiefner und – Premiere! – der Ideengeberin selbst wirft der Spot einen Blick in die Zauberkugel und deckt auf, dass die Herstellung unserer Handys oft überhaupt nicht magisch ist, sondern dass dahinter etwas ganz anderes steckt. Was, das seht ihr im Spot. Der Film wurde am 26. August 2014 bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden erstmals gezeigt.

Best-Of Filmdreh:

Warnhinweise auf Handys verwirren die Schauspieler*innen Sarah KlappSimon Kimmeskamp und Ralf Schmidt. Was sich dahinter verbirgt und welche – mehr oder weniger – sinnvollen Lösungsstrategien es geben könnte, zeigt dieser Spot, der am 05. September 2014 beim globalisierungskritischen Filmfestival globaLE in Leipzig Premiere feierte.

Best-Of Filmdreh:

Die Welt geht unter, wenn das Handy kaputt geht. Das meinen zumindest die beiden Schauspielerinnen Alexandra Tuschka und Anna Möbus. Wir zeigen hingegen, was wirklich Schaden anrichtet, nämlich gedankenloses Wegwerfen statt fachgerechtes Recycling. Der Kinospot hatte seine Premiere am 25. August 2014 bei den Filmnächten auf dem Theaterplatz in Chemnitz.

Best-Of Filmdreh:

Wir bedanken uns besonders bei den Filmnächten am Elbufer und den Filmnächten auf dem Theaterplatz sowie den Kinos in Dresden (vor allem Schauburg und CinemaxX) und den anderen sächsischen Kinos für die kostenlose Ausstrahlung der Kinospots. Ein wesentliches Ziel des Sukuma Awards ist es, viele Menschen für Nachhaltigkeit und Globale Gerechtigkeit zu sensibilisieren. Ohne die Unterstützung der Kinos würde dies nicht funktionieren.
Herzlichen Dank an unsere Netzwerkpartner Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen (ENS), sowie an unsere Partner IZ Weltladen e.V., das Umweltzentrum in Chemnitz und den Ökolöwen, das soziokulturelle Zentrum die naTo und den Landesfilmdienst Sachsen in Leipzig! Zudem danken wir Julia Otten von Germanwatch e.V. und Oxfam Deutschland sowie allen weiteren Referenten bei unseren Infoveranstaltungen. Ohne die tolle inhaltliche und kooperative Zusammenarbeit mit unseren Partnern wäre der Sukuma Award nicht umsetzbar.
Danke auch an unsere Medienpartner, das DRESDNER KulturmagazinDresden Fernsehen, die Hochschulzeitung ad rem, das Online-Magazin Neustadt-Ticker für die mediale Begleitung und vor allem auch an City Cards! In Chemnitz arbeiten wir zudem mit dem Stadtmagazin 371 und Sachsen Fernsehen zusammen. In Leipzig werden wir vom Stadtmagazin kreuzer sowie vom freien Radio Blau unterstützt.
Ein ganz besonderer Dank geht außerdem an alle Personen, die uns bei den Dreharbeiten unterstützt und tatkräftig mitgearbeitet haben: Die Spots wurden unter Leitung des Potsdamer Regisseurs Thomas Frick sowie dem Produktionsteam von ravir film GbR verwirklicht. Wir danken allen Schauspieler*innen und den vielen fleißigen Ehrenamtlichen, die den reibungslosen Dreh ermöglicht haben. Danke vor allem auch an die Maskenbildnerin Luise Baumgartner und die Hairstylisten von Directors Cut in Dresden, die unsere Schauspieler*innen wunderbar in Szene gesetzt haben, sowie Sebastian Lohse, der erneut professionell die Message der Spots einsprach!
Für das (Sach-)Sponsoring zum Dreh danken wir der Stadtreinigung und dem Musikladen Zoundhouse in Dresden.

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